Fasten im Alltag

Veröffentlicht von Mimi am

Fasten im Alltag

„Wer hungert, der fastet nicht und wer richtig fastet, der hungert nicht.“

Traditionell wurde in erster Linie aus religiösen Gründen und Zwecken gefastet. Das Fasten beschreibt zumeist den bewussten, vollständigen oder zuteilen (Konsum-)Verzicht bestimmter Nahrungs – oder Genussmittel über einen gewissen Zeitraum, ohne dabei gesundheitliche Nachteile durch die erzwungene Verwertung körpereigener Reserven zu erleiden. Heutzutage drückt sich das Fasten jedoch ebenfalls durch ganz unterschiedliche, Arten des Konsumverzichts aus, wie beispielsweise durch den Verzicht auf Internet, Smartphones, soziale Medien oder Rauchen etc.

Was nicht jedem von uns vielleicht sofort bewusst ist: Unser Körper „fastet“ bereits auf natürliche Weise nachts – bei der Verdauungsruhe – oder auch krankheitsbedingt, um sich ganzheitlich zu generieren. Das Fasten unterstützt und verbessert unseren Stoffwechsel, mit anderen Worten, die körpereigenen Zellreinigungsprozesse werden dadurch gefördert, um möglichst alle Schadstoffe aus dem Körper „auszusortieren“, den Körper somit zu reinigen und sich „startbereit“ für die Immunabwehr vorzubereiten.

Das Fasten stellt physisch wie psychisch eine Phase des Rückzugs dar, welche die eigene Disziplin sowie das eigene Körperbewusstsein steigern sollte. Durch den Verzicht befreie man sich von Zwängen und Abhängigkeiten und schaffe somit mehr Zeit und Raum für ein (intensiveres) Erleben und Reflektieren des eigenen (Glaubens-)Lebens, sei es aus religiöser und spiritueller oder auch nicht religiöser Sicht. Dies kann als eine Art Reinigung oder Entgiftung von Körper und Seele gesehen werden, mithilfe derer eine Neuorientierung, Zeit für innere Einkehr, Gesundheitsvorsorge, Steigerung des eigenen Wohlbefindens oder gar Konzentration, oder eben auch eine Anstrebung eines gesünderen Lebensstils eintritt. Es bleibt jedem die Entscheidung offen, ob und aus welchen Beweggründen er oder sie das Fasten – bei Beschwerden mit oder ohne professionelle Begleitung, praktiziert.

Arten von Fasten

Heilfasten

Das Heilfasten ist die geläufigste Fastenart und wurde von Dr. Otto Buchinger erfunden. Herr Dr. Buchinger hat es selbst durchgeführt und diese Methode schriftlich in seinem Buch ,,Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden‘‘ im Jahr 1935 festgehalten und veröffentlicht. Die Idee ist, den Körper zu reinigen und dadurch die Selbstheilungsprozesse zu aktivieren. Für diesen Zweck wird während der Fastenzeit auf feste Nahrung verzichtet (Saftkur). Die tägliche Zufuhr besteht ausschließlich aus flüssiger Kost (max. 500 kcal/Tag), dazu gehören zum Beispiel Gemüsebrühe oder Säfte. Ein wichtiger Bestandteil des Heilfastens ist das rückstandsfreie Entleeren des Körpers mithilfe von Glaubersalz oder Bittersalz. Im Laufe der Fastenkur ist außerdem der Konsum von Alkoholika oder Genussgiften zu unterlassen. Unterstützt wird das Buchinger-Fasten durch Bewegung wie Wandern oder Gymnastik.

Modifiziertes Fasten

Das modifizierte Fasten ist eine abgemilderte Form des Heilfastens. Hierbei wird neben dem Verzicht auf feste Kost die Nahrungsaufnahme mit Proteinen und Vitalstoffen erweitert. Wie das Heilfasten werden hier Darmentleerungen durchgeführt und Bewegung benötigt.

Basenfasten

Durch den Verzicht auf tierische Produkte sowie Getreide wird beim Basenfasten der Körper sozusagen entsäuert. Fasten im Sinne von weniger essen wird bei dieser Methode nicht angestrebt, aber es ist darauf zu achten, was zu sich genommen werden kann.

Intervallfasten

Die wohl beliebteste Fastenmethode in der Ernährungsmedizin ist das sogenannte Intervallfasten, dabei wird tage- oder stundenweise auf Nahrung verzichtet. Im Gegensatz zu anderen Fastenformen wird hier nicht auf bestimmte Nahrungskategorien verzichtet. Es ist simpel zu praktizieren und für Fasten-Anfänger gut geeignet. Außerdem sind viele unterschiedliche Varianten vorhanden, die sich nach individueller Präferenz gut in den Alltag integrieren lassen. 

Fasten in der Religion

,,Fasten‘‘ kommt vom gotischen ,,fastan‘‘ und bedeutet: sich festmachen, festhalten, anhalten. Wer fastet, hält an, steigt aus, hält inne, und macht sich fest an Regeln, an Ritualen und letztlich im religiösen Verständnis an Gott, schreibt Pater Anselm Grün (1998).

Das Fasten als geistige Übung, als Mittel, sich Gott näher zu fühlen, als Befreiung von der niederen Natur ist in fast allen Religionen der Welt zu finden. Dabei soll das Böse ferngehalten, der Körper gereinigt, und dadurch eine Verbindung zwischen dem physischen Leib und der Seele geschaffen werden.

 

Buddhismus

Der Verzicht hat im Buddhismus eine wesentliche Rolle. Im Buddhismus gibt es keine einheitliche Fastenzeit, aber Enthaltsamkeit und weniger Nahrung werden als Vorbereitung für Meditation benutzt.

Buddhistische Mönche und Nonnen fasten auf ihre eigene Art, zum Beispiel nehmen sie ab zwölf Uhr mittags keine Nahrungen mehr zu sich.

 

Christentum

Christen fasten als Mittel der Enthaltsamkeit, zur Buße oder auch als Vorbereitung auf wichtige Entscheidungen. Beten, der Einsatz für Arme und Kranke, sowie Nächstenliebe sind Bestandteile der christlichen Fastenpraxis.

Ursprünglich wurde im Christentum wöchentlich am Mittwoch und Freitag gefastet, dieser Brauch ging aber mit der Zeit weitgehend verloren. Außerdem wird als Vorbereitung auf Ostern 40 Tage gefastet, um Gott näher und selbst zur Ruhe zu kommen. Das Wort ,,Fasten‘‘ hat hier aber viele Bedeutungen, offiziell ist in der Fastenzeit auf Fleisch und Wein zu verzichten.

 

Islam

Das Fasten hat in Islam eine sehr hohe Bedeutung, es ist ein göttliches Gebot, eine der fünf Säulen des Islams. Die Seele soll dabei gereinigt und die Beziehung zu Gott gestärkt werden.

Gefastet wird im Ramadan, dem neunten Monat des islamischen Mondjahres. 30 Tage lang ist das Essen, Trinken und Rauchen zwischen Sonnenaufgang und -untergang nicht erlaubt. Auch der Geschlechtsverkehr ist untersagt. Das abendliche Fastenbrechen findet in größeren Gruppen statt, so hat der Ramadan eine stark familiäre und gemeinschaftsfördernde Bedeutung. Es gibt im Ramadan einige Ausnahmen, wie zum Beispiel für Schwangere, Kranke oder Kinder. Wer nicht fastet, hat aber die Pflicht, Speisen oder Almosen an Arme zu geben.

 

Judentum

Der bedeutendste Feiertag im Judentum ist Jom Kippur, auf Deutsch übersetzt ,,Tag der Versöhnung‘‘. An dem Tag wird nicht gegessen, getrunken oder geraucht, außerdem wäscht man sich nicht, ist sexuell enthaltsam und geht nicht zur Arbeit. Dadurch sollen alle zuvor begangene Sünden an diesem Tag gesühnt werden.

Ein weiterer wichtiger Fastentag ist Tischa BeAw, der neunte Tag des Monats Aw des jüdischen Kalenders. Gläubiger verzichten hier auf Nahrung und Wasser, um einschneidenden Ereignissen in der jüdischen Geschichte zu gedenken.

 

Orthodoxe Kirche

In den orthodoxen Kirchen wird ein strenges Fasten verlangt. Viermal im Jahr und mehrere Wochen müssen Gläubige fasten, in der Passionszeit etwa sieben Wochen. Auch nach Pfingsten, im August und in der Adventszeit finden weitere Fastenwochen statt. Ebenfalls wird mittwochs und freitags gefastet, auf Fleisch, Eier und Milchprodukte soll in dieser Zeit verzichtet werden.


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