Was ist ein Samanera, was ist ein Bhikkhu und was macht unsere Praxis schmackhaft?

Veröffentlicht von Ven. Thich Hanh Tan am

Was ist ein Samanera, was ist ein Bhikkhu und was macht unsere Praxis schmackhaft?

Ein Dharma-Vortrag des Ehwr. Thay Hanh Tan vor den Ordinierten der Pagode Phat Hue

Der Ehrw. Thay Hanh Tan, ehem. Abt der Tempelanlage „Vien Giac“ in Hannover, hielt während eines kurzen Aufenthaltes in der Pagode Phat Hue (2018) einen ausführlichen Dharma-Vortrag vor den anwesenden Mönchen und Nonnen. Im Hinblick auf die im Mai anstehenden Samanera- und Bhikkhu-Ordination in Hannover, stellte er äußerst klar und praxisorientiert dar, welche Qualitäten einen Samanera und einen Bhikkhu auszeichnen, was man bei der täglichen Silapraxis zu beachten hat, und was aus seiner Sicht die Praxis eines Mönches erst so richtig „schmackhaft“ macht. Die Ordinierten der Pagode Phat Hue fühlten sich sehr geehrt, diesem besonderen Unterricht durch den Ehrw. Thay Hanh Tan lauschen zu dürfen. 

Die Ordensgemeinschaft Phat Hue hat das klare Verständnis des Ehrw. Thay Hanh Tan jedoch nicht anderen Praktizierenden und Interessenten vorenthalten wollen – besonders, wenn man sich dafür interessiert, was die Praxis eines Ordinierten ausmacht. Der folgende Text kann helfen, falsche Vorstellungen des Sanghalebens klar zu stellen und einen Einblick in die äußere und innere Praxis eines Ordinierten geben.

1. Was bedeutet es, ein Samanera zu sein?
2. Was bedeutet es, ein Bhikkhu oder eine Bhikkhuni zu sein?
3. Silas und Bhikkhugelübde – ein Spiel mit dem Feuer?
4. Wie lange bleibt man Mönch und was macht seine Praxis schmackhaft?

Was bedeutet es, ein Samanera zu sein?

Ich sehe oft, dass so manch Ordinierter im Anschluss an die Bhikkhu-Ordination in zwei Praxisextreme verfällt. Manche sagen „Ooh, so viele Gebote halten? Zehn Geboten sind ja noch ok, aber 250? Was soll ich das nur schaffen? Es sind viel zu viele.“ 

Das andere Extrem ist es, die Gelübde auf die leichte Schulter zu nehmen und sie ohne darüber nachzudenken strikt zu befolgen – Hauptsache der Geist ist kontrolliert, mehr braucht man ja nicht. Leider muss ich sagen, dass beides nicht die richtigen Einstellungen sind, um eine Ordination zu bekommen. 

Jeder Mönchsanwärter sollte eine heilsame Einstellung der Ordination gegenüber entwickeln. Erst dann kann er die Ordination wirklich als hilfreichen Impuls für seine weitere Praxis empfangen. Viele Menschen, die uns Mönche in unseren Klöstern besuchen, wollen sofort auch Mönche und Nonnen werden, ohne zu wissen, was das überhaupt bedeutet. Oftmals haben diese Menschen Annahmen, die mit der Realität nicht übereinstimmen. Doch auch wenn man mit einer falschen Vorstellung in Berührung mit klösterlichem Leben gelangt, macht das nichts. Denn es hat seine karmischen Gründe, dass und wie wir in diesem leben auf Dharma treffen konnten. Wir haben in unseren vergangenen Leben Verdienste oder heilsame Taten in einer Art angesammelt, dass wir nun auf den Weg gebracht wurden – egal ob mit heilsamem oder unheilsamen Verständnis des Klosterlebens. Die Tatsache allein ist als etwas sehr wertvolles zu betrachten.

Hat man den formalen Wunsch geäußert, Mönch oder Nonne zu werden, ist man zunächst ein Samanera oder ein Mönchsanwärter. Den Begriff Novize verwende ich nicht sehr gerne, denn ein frisch Ordinierter Samanera muss nicht – wie es der Begriff Novize impliziert – ein Anfänger im Fachgebiet Buddhismus sein. Gerade in Deutschland werden viele Personen ordiniert, die eine große Menge an Wissen und Erfahrung in buddhistischer Praxis mitbringen. Novizen sind das schon lange nicht mehr. Übersetzen wir Samanera oder Samanerika genauer, würden wir sie die Zehn-Gebote-Halter nennen – bezogen auf die 10 Gelübde, die ein Samanera während seiner Ordination übertragen bekommt.

 

Die wörtliche Bedeutung im Vietnamesischen:

Auf Vietnamesisch heißt Samanera Sa Di. Sa Di ist ein sinovietnamesischer Begriff, steht also in Verbindung mit dem Chinesischen. Er trägt daher mehrere Bedeutungen in sich.
Die beiden Elemente, die in der chinesischen Bedeutung des Begriffes Sa Di zu finden sind lauten auf vietnamesisch:

• Tu ac (Unheilsames halten/stoppen)
• Hanh tu (Heilsames praktizieren)
• Tuc the nhiem nhi tu (den Geist zur Entsagung aller weltlichen Verhängnisse schulen)

Dies sind die Kernaspekte eines jeden Sa Di.

 

Aber was ist unheilsam und was ist heilsam? 

Ein Sadi behält heilsame Dinge bei und stoppt die unheilsamen. Im Unheilsamen eingeschlossen ist alles was das Weltliche betrifft. Wenn wir uns von weltlichen Aspekten verabschieden, zieht es heilsame Wirkungen nach sich. Heilsames hingegen wird im Buddhismus nicht nur mit karitativer und sozialer Arbeit gleichgesetzt – Dinge, die anderen Menschen direkt helfen können. Diese Art der heilsamen Tätigkeit ist im Vergleich mit dem Anstreben des voll erleuchteten Geistes oder der Entsagung weniger bedeutungsvoll einzustufen. Als Samanera sollte man bereits die Motivation entwickeln, den voll erleuchteten Geist erlangen zu wollen. Während der Ordinationszeremonie soll ein Mönchsanwärter seinen Geist stets auf die drei Aspekte des Samaneras ausrichten. Denn dann kann die Kraft der hohen Mönche, die die Ordination durchführen, als unterstützender Impuls auf den Ordinierten übertragen werden. 

Warum ist die innere Einstellung eines Samaneras derart bedeutungsvoll? Um das zu verstehen, erläutere ich einmal den Zusammenhang der inneren und äußeren Aspekte einer Person: Unser Äußeres besteht wie wir alle wissen aus einer Form und einem dazugehörigen Namen. Jeder Form geben wir Menschen Namen. Jede Person hat neben der Form und dem Namen auch noch das Innere.

 

Der Name:

Wenn wir einmal einen Namen der falschen Person zuordnen – Form und Name nicht zusammenpassen – dann zieht das nicht in jedem Fall unheilsame Folgen nach sich – die Auswirkungen sind eher geringfügig. Spreche ich eine Person mit einem falschen Namen an, wird sich am Aussehen oder der Erscheinung nach nichts ändern. Namen benötigen wir vielmehr, um in verständlicher und unkomplizierter Art und Weise kommunizieren zu können. Im Bezug auf den Ordinierten ist die Form bereits eine Stufe bedeutsamer als der Name.

Die Form:

Die Form eines Ordinierten besteht aus einem geschorenen Kopf, einer braunen, gelben oder orangefarbenen Robe – je nach Tradition und Schule – und vielen weiteren Aspekten. Auch das angemessene Verhalten im Gehen Sitzen Stehen und Liegen – die 4 Verhaltensformen die einen Ordinierten ausmachen – zählen zur äußeren Form. Aber was viel wichtiger ist als jegliche Form, ist unser Inneres.

Das Innere:

Ein Lebewesen funktioniert nicht äußeren sondern innerlichen Umständen entsprechend. Sind die Organe eines Lebewesens nicht in Ordnung, wird es krank. Dieses Bild ist auch auf einen Ordinierten zu übertragen: 

Ein Samanera hat natürlich bestimmte äußere Formen wie Kleidung und Verhalten, aber es sind nur Äußerlichkeiten. An ihnen können wir einen Samanera erkennen. Bemüht er sich aber nicht darin, Heilsames zu kultivieren und Unheilsames zu stoppen – Tuc ac Hanh tu – so ist er innerlich erkrankt, er ist kein kompletter Samanera. Auch wenn die 10 Gebote streng eingehalten werden und die Robe perfekt und sauber am Körper liegt – der Charakter eines Samanera ist das wirklich Besondere an ihm. Um diese inneren Werte zu erkennen, benötigt es leider mehr als ein paar guter Augen. Da wir noch keine Erleuchteten Wesen sind, die mit bloßem Auge erkennen könnten, wo die Praxis noch nicht vollkommen ist, müssen wir immer ehrlich zu uns selbst sein. Wir müssen uns ständig überprüfen und reflektieren, was wir am Tag getan haben. Auch Laien können dies tun: Überprüft jeden Abend vor dem Schlafengehen, ob euer Handeln den Tag über heilsam war. Ordinierte gehen einen Schritt weiter und fragen sich 

– „Habe ich jetzt tatsächlich alle Unheilsamkeiten beendet oder einen Schlussstrich gezogen?“ 

– „Habe ich alle weltlichen Einstellungen und Gedanken abgeschlossen? Oder nicht?“ 

– „Wenn nicht, muss ich das bekennen – mir selbst und dem Buddha gegenüber. 

     Ich bekenne mich dazu und werde es versuchen zu bessern.“ 

Das sollten wir jeden Abend versuchen. Nur so wird unsere Natur der Silas – der Achtsamkeitsübung – rein und stabil bleiben.

Gelingt es uns, die Silas rein zu halten, ihre Natur zu stabilisieren, dann ist es auch nicht so weiter schlimm, wenn wir die 10 Gebote noch nicht vollkommen praktizieren können – besser ist die innere Einstellung heilsam und das Äußere nicht ganz perfekt, als dass unsere äußere Form perfekt erscheint, unser Geist innerlich aber von negativen Qualitäten zerfressen ist. Ohne Tuc ac sind unsere „Organe“ schon längst mit Viren befallen und werden zerfressen – da kann unser Körper oder unsere Haltung noch so schön und beeindruckend sein.

Deshalb ist das sehr, sehr wichtig, auch die letzte Charaktereigenschaft eines Samanera kennen zu lernen: Ein Samanera soll fleißig sein. Wie soll er in welchen Aufgaben fleißig sein? Er soll den Ruhezustand des Geistes anstreben – das ist die Aufgabe eines Samanera.

Strebt man also diese vier Qualitäten an, ist man ein guter Samanera:

– Ich wünsche, meinen Geist zur Entsagung aller weltlichen Verhängnisse zu schulen

– Ich wünsche, alles Unheilsame zu stoppen

– Ich wünsche, alles Heilsame zu kultivieren

– Ich wünsche, den Ruhezustand des Geistes anzustreben

 

Was sind die Aufgaben eines Ordinierten, der die Gelübde empfängt?

Während der Ordination werden die Anwesenden hohen Mönche ein sogenanntes Sangakama praktizieren. Auf Vietnamesisch wird in etwa folgendes verlautet:

Heute tritt der gute Mann namens … an die Sangha heran, um die Samanera- oder Bhikkhugelübde aufzunehmen. Er fragt die anwesenden Sila-Übertragenden, ob sie damit einverstanden sind.

Sie werden damit einverstanden sein und nicht dagegen sprechen. Drei Mal wird der Text rezitiert. Ganz wichtig dabei ist, dass in diesem Moment der Geist des Ordinierten die vier Wünsche in ihrer reinen Form entwickelt und aufrechterhält. Sobald man den eigenen Namen das erste Mal hört, soll man sich die 4 Wünsche ins Gedächtnis rufen: 

1. Ich wünsche, meinen Geist zur Entsagung aller weltlichen Verhängnisse zu schulen. 

2. Ich wünsche, alles Unheilsame zu stoppen. 

3. Ich wünsche, alles Heilsame zu kultivieren. 

4. Ich wünsche, den Ruhezustand des Geistes anzustreben. 

Fällt der Name das erste Mal, findet nämlich eine Art Übertragung statt: Der Sila-Übertragende, einer der hohen anwesenden Mönche, übergibt uns eine heilsame Kraft, unseren Charakter zu nähren und zu entwickeln. Wir wollen die Kraft von ihm empfangen, um die Gelübde, die wir aufnehmen, bis zur Vollkommenheit praktizieren zu können. Ein Sila-Überträger ist ein Ordinierter, der fähig ist, diese heilsame Kraft in anderen erwecken zu können. Ist das erste Sangakama beendet, fühlt es sich vielleicht noch nicht so natürlich an, sich dies vorzustellen und den Geist auf die Silas, die Gelübde oder die Wünsche zu konzentrieren. Doch es wird euch gelingen, während der Ordination ganz natürlich zu denken:

1. Ich sage mich von allen weltlichen Verhängnissen los
2. Ich habe alle Unheilsamkeiten gestoppt
3. Ich bin fleißig und praktiziere alles Heilsame
4. Ich strebe die Ruhe des Geistes an

Schaffen wir es, diesen Geist während der Ordination aufrecht zu erhalten, nährt die uns dort übertragende Kraft unsere Praxis immens und gibt uns viel Energie, weiter zu praktizieren. Denn seien wir ehrlich: Das Leben als Mönch ist nicht immer einfach. Wir Vietnamesen sagen, ein Mönchsleben ist anstrengender, als das Leben von 1000 Schwiegertöchtern. Ihr müsst dazu wissen, dass in Vietnam Schwiegertöchter leider oftmals unter schlechten Bedingungen leben müssen: sie leiden sehr unter ihren Schwiegereltern, die niemals zufrieden sind, sie werden schlechter behandeln, schikaniert usw. Ja und wir Mönche haben eben nicht nur ein Paar Schwiegereltern, sondern gleich 1000 – so anstrengend kann der Weg für uns sein. Haben wir aber die Energie, uns diesen Problemen zu stellen, können wir alle Schwierigkeiten sprengen und transformieren. Die Ordination ist hierbei ein wichtiger Impuls. Anschließend sollte man dann lernen, die 10 Gebote einzuhalten und dies mit Geschicklichkeit anzugehen.

Fortan habt ihr 4 oder 5 Jahre Zeit um diese Qualitäten in euch zu entwickeln, bevor ihr die volle Ordination als Bhikkhu oder Bhikkhuni erhaltet und die 250 Gebote aufnehmt. Die Nonnen müssen sich sogar an noch mehr halten, an 348 – meine Güte ist das viel. Eigentlich sollte man davor keine Angst haben – aber es ist schon eine wirklich große Menge.

2. Was bedeutet es, ein Bhikkhu oder eine Bhikkhuni zu sein?

Der Status eines Bhikkhus beinhaltet drei Bedeutungen:

1. khat si – er ist ein würdiger Almosenempfänger
2. bo ma – er hat die innerliche Befleckungen vernichten (Maras)
3. pha ac – er hat alles Unheilsame vernichten

Als Samanera soll man dem Unheilsamen nur Einhalt gebieten, es stoppen. Als Bhikkhu jedoch soll man das Unheilsame tiefer vernichten, es soll im Geist nicht mehr vorhanden sein – die Aufgaben und Pflichten der Praxis steigern sich durch die Bhikkhu-Ordination.

Almosenempfänger – das Äußere

Almosen zu empfangen macht einen wichtigen Aspekt des Äußeren eines Bhikkhus aus. Doch wann empfangen wir Almosen und was? Es gibt zwei Objekte, die wir empfangen sollen: Zunächst Dharma von Buddha, Lehrern und Bodhisathvas und als Zweites Speisen und Spenden durch die Laien, um unseren Körper für unsere Praxis zu erhalten. Dadurch soll eine Verbindung zwischen dem Spender und uns entstehen. Es ist wie ein Kontaktknoten zu verstehen: Wir haben die Verpflichtung, den Spender zur Erleuchtung zu bringen mittels
Dharma, unserem Verständnis, unserer Weisheit und unsere Praxis. Wir empfangen Almosen hier nicht nur, um uns zu ernähren, sondern gehen mit den Spendern eine Verbindung über mehrere Leben ein. Dass wir hier heute versammelt sitzen dürfen, dass wir eine fröhliche Runde von Mönchen und Nonnen bilden, ist nicht das Resultat guter Praxis aus einem Leben. Diese Verbindungen wurden durch mehrere Leben geknüpft. Lesen wir die Jatakas – die Geschichten aus den vorherigen Leben Buddhas – sehen wir, wie Personen, Tiere und andere fühlende Wesen, mit einander verknüpft sind und sich Leben für Leben wieder begegnen. Als Nichterleuchtete können wir das nicht selbst sehen oder erfahren. Vertrauen wir jedoch in Buddha, können wir es verstehen.

Allerdings ist ein frisch ordinierter Bhikkhu als solcher noch nicht vollkommen würdig, ein Almosenempfänger zu sein – seine Praxis ist noch nicht weit genug fortgeschritten. Buddha aber gab uns diesen Titel um uns zu ermutigen und uns zu erlauben, die indische Tradition des Almosens zu übernehmen. Ein wahrer, würdiger Empfänger von Almosen ist ein Arahat. Er ist würdig, auch von himmlischen Wesen Almosen zu empfangen. Haltet das im Gedächtnis und nutzt es als Ansporn, diesen Status so schnell wie möglich zu erreichen. Wenn wir im Geiste den Gedanken haben: „Ich bin eigentlich noch nicht vollends würdig, diese Speise anzunehmen, nur Arahats sind dies“, so strengen wir uns mehr an und streben mit großer Bemühung dem Ziel entgegen. Das Ziel ist immer noch dasselbe, was wir uns als Samanera gesteckt haben: Gleichmut im Geiste entwickeln. Denn der Gleichmut oder der ruhige Geist führt uns zum Zustand eines Arahat – wenn wir konsequent praktizieren.

Maras vernichten – das „Innere“ eines Bhikkhus

Die Vernichtung von Maras beinhaltet zwei Unterteilungen: Äußere und innere Maras.

Äußerlich bedingte Maras sind für uns Männer beispielsweise Frauen. Wir sehen die schönen Samanerica und Bhikkhunis oder Frauen in der Buddhahalle, hübsche Seminarsteilnehmerinnen und vieles mehr. Für Frauen umgekehrt sind es die hübschen Samaneras usw. Sind wir unachtsam, laufen wir solchen außerhalb liegenden Begierden hinterher, geben nach. Das ist aber ganz natürlich. Verleugnen wir dies, wäre das wirklich schlimm. Warum? Denn wir waren nicht ehrlich zu uns selbst. Wenn wir nicht ehrlich zu uns selbst sind und uns unser Verlangen und unsere Begierde gar nicht gestehen, können wir sie auch nicht transformieren. Man kann nur ändern, was man erkannt und akzeptiert hat.
„Ich sehe keiner Dame hinterher!“ Wer so etwas behauptet, lügt. Wir sind doch alles Lebewesen in einer Welt voller Begierde. Unsere Aufgabe ist es nicht, das zu verleugnen, sondern, die Begierde zu erkennen. Denn jeder Mensch hat Begierde. Der eine mehr, der andere weniger. Durch das Erkennen der Begierde können wir sie umwandeln. Wenn wir sie nicht erkennen, sind wir auf unserem Weg verloren. Shantideva sagte: „Derjenige, der sich selbst täuscht, ist ein verlorener Krieger.“ Er wirft die Flinte ins Korn und kann nicht mehr kämpfen, nichts mehr transformieren. Wenn wir uns selbst nicht durchleuchten, sind wir verloren. Daher brauchen wir Achtsamkeit. Im Westen weniger, dafür in Asien umso mehr, gelten Tugend und Moral als höchstes Prinzip. Es wird genutzt, um innere Begierde einfach zu unterdrücken und zu leugnen. „Ich bin tugendhaft!“ sagt man dort sehr leichtfertig. Wenn wir allerdings so tugendhaft wären, wären wir gar nicht hier. Schämt euch nicht eurer Begierden, erkennt und transformiert sie. Das ist wichtig.

Neben den durch äußere Bedingungen hervorgerufenen Maras sollen wir auch die innerlich aufsteigenden Maras vernichten: Begierde, Hass und Verblendung – kurz kleśa. Das sind alle Dinge, die unseren Geist stören. Das sind innere Maras. Ohne die Bekämpfung der kleśa wirklich anzugehen, sind wir keine richtigen Bhikkhus oder Bhikkhunis.

Unheilsames Vernichten

Es unterscheidet sich nicht groß von der Samaneraversion, in der wir bereits allen Unheilsamkeiten Einhalt gebieten wollen. Jetzt aber geloben wir, es vollends zu vernichten. Wir durchforschen uns darauf hin, wo sich unheilsame Lebensweise und Taten einschleichen könnten. Ich hörte, in der Nähe der Pagode Phat Hue hier gibt es eine große Disco. Sehen wir die jungen Leute dorthin gehen, wünschen wir uns vielleicht, auch dorthin zu gehen. Und wenn wir dann auch noch zufällig aus einem Nachbarhaus Musik hören, zuckt es unkontrollierbar durch unseren Körper. Wir sehnen uns nach Musik, nach Tanz. In dem Moment, indem wir die Musik hören und uns nach Discos, Tanz und so weiter sehnen, tanzt unser Geist allerdings tatsächlich. Er ist gerade in dieser Disco. Solche alltäglichen Vorgänge müssen wir erkennen. Alle unheilsamen Dinge, die wir uns angewöhnt haben, müssen wir lernen loszulassen, um uns weiterzuentwickeln. Ich beispielsweise habe gerne Opern geschaut oder Theatervorstellungen besucht. Wenn ich heute an einer Oper vorbeigehe, sehne ich mich manchmal immer noch danach, doch mal wieder die Fledermaus zu sehen. Das war immer sehr schön. Kommen solche Impulse hoch, sollen wir sie untersuchen, durchschauen und transformieren.

Wir reflektieren uns jeden Tag und schauen und schauen und schauen. Was denke ich gerade? Wir haben ja vorhin zusammen gegessen. Nehmen wir das als ein gutes Beispiel der Selbstreflexion:

Was ist das Subjekt, das gerade isst? Isst mein Körper?
Oder war es nur mein Mund?
Oder gar die Augen?
Oder waren es meine Gedanken?
Was hat da am Tisch gesessen und gegessen?

Selbst beim Essen können wir uns dahingehend untersuchen – welche Vorgänge laufen gerade in mir ab welchen Konzepten hafte ich jetzt im Moment an? Eigentlich nehmen ja stets alle 5 Skhandhas an einem Prozess des Essens teil. Aber wo fängt was an? Durch ständige Selbstreflexion können so nach und nach unheilsamen Gedanken und Taten verringert werden. Wir bemerken sehr früh, dass wir essen, des guten Geschmacks wegen. Etwas muss mundig schmecken, saftig. Das Wasser läuft uns im Mund zusammen. Wenn das mal nicht weltliche Phänomene sind. Weltliche Dinge sind unserer Praxis aber nicht von Vorteil. Je mehr wir uns daraufhin prüfen, können wir davon loskommen, uns in Geschmäckern und Begierden zu verlieren. „Oh, wie knusprig das ist. Sehr gut!“ Da laufen wir wieder unseren normalen Gewohnheiten nach. Wir sollen es mehr und mehr vergegenwärtigen und versuchen mehr und mehr zu stoppen. Niemand erwartet aber von einem Samanera, nach der Bhikkhu-Ordination ein vervollkommnter Bhikkhu zu sein, da wäre man ja ein Heiliger. Aber fangen wir mit unserer Praxis an, sollen wir uns um eine fleißige Praxis bemühen. Wir empfangen die drei Aspekte unserer Praxis mit unserer Ordination durch den Silaüberträger. Wird also das erste Sanghakarma gesprochen – auch bei einer Bhikkhu-Ordination wird der Text rezitiert – denken wir in unserem Geist:

„Ich bin ein würdiger Almosenempfänger! Ich bin kein Arahat, bekomme aber durch die Kraft des Meisters den Status eines Bhikkhus. Ich bin jetzt tatsächlich ein Bhikkhu!“

Kommt das zweite Sanghakarma, denken wir uns:

„Ich habe alle Maras bekämpft, ich bin fähig, ich habe sie vernichtet.“

Beim dritten und letzten denke wir uns:

„Ich habe alle weltlichen Dinge überwunden. Nichts blieb zurück. Ich bin jetzt ein wirklicher Bhikkhu!“

So entsteht in uns die wirkliche Natur eines Bhikkhu. Tatsächlich aber entstand nichts – es ist unsere eigene Natur, die zur Entfaltung gebracht wird. Wir kannten diese Natur nur noch nicht, waren nicht bereit, sie zu erkennen.
Wir hingen an so vielen Dingen: Am Essen, am Schlafen, Tanzen, Musikhören und tausend schönen Sachen. Wir gingen in so großen Zerstreuungen durch das Leben. Das ist nicht schlimm, denn wir gehen nun mit einem neuen Vorsatz durch unser Leben, nämlich dies zu erkennen und zu überwinden – jeden Tag ein bisschen mehr. Wir sind uns sicher, dass es klappen wird. Es gab bereits so viele Buddhas, Arahats, Bodhisathvas, Avalokiteshvara, Maytreya und viele mehr. Alle sie haben es geschafft und daher können wir es auch schaffen. Mit diesem Vorsatz geht man in durch eine Ordination.
Praktizieren. Praktizieren. Praktizieren. Das ist alles, was wir tun müssen.

Kann ein frisch ordinierter Bhikkhu die 250 Gebote nicht perfekt einhalten, macht das weniger aus, solange er die oben genannten drei Aspekte weiterhin rein hält. Bricht man ein Gelübde, so ist das wie ein hässlicher Schnitt an der äußeren Form. Doch das Innere lebt weiter, bleibt stabil. Wenn aber die drei Aspekte, die das innere eines Samanera oder eines Bhikkhus ausmachen, verletzt werden, so leidet das Gesamtbild darunter. Dann bleibt auch das Äußere nicht mehr lange heil. Man sieht es uns vielleicht noch nicht äußerlich an, doch innerlich können Gier, Hass und Verblendung bereits viel angerichtet haben.

Samaneras und Samanericas, haltet euch also im Geist:

1. Ich sage mich von allen weltlichen Verhängnissen los
2. Ich habe alle Unheilsamkeiten gestoppt
3. Ich bin fleißig und praktiziere alles Heilsame
4. Ich strebe die Ruhe des Geistes an

Bhikkhus und Bhikkhunis, haltet euch also im Geist:

1. Ich bin ein würdiger und fähiger Almosenempfänger
2. Ich habe alle Maras vernichtet
3. Ich habe alles Unheilsame vernichtet

Dadurch entsteht in euch die Samanera- oder Bhikkhunatur. Die Silas sind oder waren der Anfang, die Bhikkhugelübde führen uns weiter. Haltet an diesen Gedanken fest. Sie sind die Nahrung unserer Praxis und unseres Lebens.

3. Silas und Bhikkhugelübde – ein Spiel mit dem Feuer?

Buddha hat die Gebote nicht erfunden, um uns einzuengen. Natürlich können wir denken, „Warum soll ich plötzlich kein Geld, keinen Sex und keine berauschenden Mittel usw. mehr haben? Warum soll ich nicht mehr töten, stehlen und lügen dürfen? Das ist doch total engstirnig!“ Es ist uns einfach eine Hilfe. Es unterstützt uns in unserer Praxis. Durch die Arbeit mit den Gelübden erreichen wir nämlich zwei Ziele gleichzeitig: Einerseits beobachten wir unsere Handlungen und reflektieren unser Denken. Andererseits hören wir eben dadurch auf, ständig mit unseren Gedanken, unserer Gier und unserer Wut bei anderen Personen zu sein. Wir achten nicht mehr darauf, was die anderen machen, ob sie ihre Gelübde einhalten oder ob sie unheilsame Dinge tun. Wir vergleichen uns nicht mehr so sehr mit den anderen Mitgliedern der Sangha, da wir die Zeit besser nutzen, um uns zu untersuchen. Automatisch entsteht dadurch ein Zusammenleben zwischen Ordinierten, welches eine gute und heilsame Praxis aller gewährleistet. Entspringt diese Wirkung unserer Praxis, sind wir wahrlich ein guter Samanera oder ein guter Bhikkhu.

Mit den Silas sollte man allerdings behutsam umgehen. Es ist wie ein Spiel mit dem Feuer: Einerseits können Silas uns von einem normalen Zustand eines weltlichen Menschen in einen Zustand eines Erleuchtungsanstrebenden bringen. Andererseits können Silas uns auch tief herunterreißen in den Strudel der Wiedergeburten. Warum das? Verstößt man als Vollordinierter gegen gewisse Gelübde, kann es vielfach schlimmere Auswirkungen haben, als wenn ein normaler Mensch in seiner Unwissenheit dieselbe Tat begehen würde. Aus der tibetischen Tradition sieht man es so: Nehmen wir Dinge einer anderen Person unrechter Weise, dann haben wir unheilsames Karma geschaffen und erhalten eines Tages eine Wirkung, die – sagen wir mal vereinfacht – eins zu eins zu verstehen ist. Wenn wir aber bereits die Samanera-Ordination bekommen haben und dieselbe Tat begehen, sind die Auswirkungen und das negative Karma um ein vielfaches verschlimmert. Als Bhikkhu würden die Auswirkungen tausendfach verschlimmert. In der Mahayanatradition nehmen für gewöhnlich Personen, die eine Bhikkhuordination erhalten, am nächsten Tag auch noch die Bodhisathvagelübde auf – man sagt, die Praxis würde dadurch erleichtert und man würde weniger Gelübde brechen, was mich immer wieder verwirrt. Doch tatsächlich hat nun ein kleinster Fehler fataler Auswirkungen – karmisch gesehen: Durch die Bodhisathvagelübde hat man es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur sich, sondern alle fühlenden Wesen zu befreien. Würde unserem Beispiel nach ein solcher Bhikkhu etwas stehlen, würden die karmisch unheilsamen Folgen billionenfach potenziert. Ordinierte pflege ich daher daran zu erinnern, diese Gedanken in eurem Geist zu kultivieren.

Um zu verdeutlichen, wie einfach das ein oder andere Gelübde gebrochen werden kann, möchte ich an einem eigenen Beispiel verdeutlichen:
Ich war vor 3 oder 4 Jahren in Burma. Ich wurde mit Bahnte Shukashitu in einem Hotel untergebracht – schön und luxuriös. Gerade war mein Kaffee im Zimmer ausgegangen. Draußen war ein Wagen des Hausmädchens mit allem, was man brauchte. Ohne nach zu denken ging ich, nahm die Kaffeetüte und da erinnerte mich Bhante an mein Gelübde nicht zu stehlen: „Wieso nimmst du es einfach?“. „Ich dachte, sie bringt es doch sowieso gleich in unser Zimmer.“ antwortete ich. „Aber du fragtest nicht um Erlaubnis.“ entgegnete Bhante. Hätte er mich nicht daran erinnert, hätte ich aus purer Leichtfertigkeit ein Gelübde gebrochen, eines der Silas. So leicht kann es passieren. Es ist schön, wenn man jemanden an seiner Seite hat, der uns an die Einhaltung unserer Silas erinnert. Ich bekannte meinen Fehler und reinigte mich davon. Was aus solchen kleinen Fehlern für große Wirkungen entstehen können, sollten wir stets im Geist bewahren. Es kann sehr schnell passieren. Die 10 Gebote eines Samaneras sind noch überschaubar, doch sobald man die Bhikkhugelübde aufgenommen hat, wird es immer detaillierter. Dadurch ist es einerseits im Alltag einfacher zu praktizieren, da viele Handlungen mit Gelübden verbunden sind. Andererseits wird es schwieriger: Je mehr Gelübde es gibt, desto leichter kann man das ein oder andere vergessen.

Wie lange bleibt man Mönch und was macht seine Praxis schmackhaft?

In Thailand, so meine Erfahrungen, sind Mönche oftmals sehr kurzlebig. Ich traf bereits viele fähige Mönche und fragte manche von ihnen: Wie lange willst du denn Mönch bleiben? Und als Antwort bekam ich in etwa: „Ich weiß es noch nicht, das muss ich mir noch überlegen.“ Bei solchen Antworten war ich mir sicher: Dieser Mönch wird bald austreten. Das dauert nicht lange. Denn es ist nicht gerade verlockend, ein Mönchsleben zu führen. 

Mir half es dabei sehr, den Vorsatz zu machen, lebenslang Mönch zu bleiben. Darüber hinaus kann ich es ja nicht bestimmen. Mit einem solchen Vorsatz für das ganze Leben lassen sich viele Hindernisse überwinden: Als ich ordiniert werden wollte, war meine Familie dagegen. Ich war 12 Jahre alt und einziger Sohn der Familie. Mein Vater starb sehr früh und meine Mutter musste drei Kinder groß ziehen. Natürlich sah sie es als ihre Pflicht, den Namen der Familie weiterzugeben und zu erhalten – wie es in Asien Tradition ist. Als sie von meinem Wunsch hörte, war sie wirklich geschockt. Ich gab nach und wartete noch bis ich 20 Jahre alt war, um erneut zu fragen – in Asien ist es ebenfalls Tradition, den Eltern zu gehorchen und sich ihnen nicht diametral entgegenzusetzen. Auch mit 20 wurde mir der Wunsch verwehrt. Mit 22 Jahren fragte ich erneut und ich bekam ihr Einverständnis. An diesem Tag versprach ich mir und allen Anwesenden, bis an mein Lebensende Mönch zu bleiben. Lieber würde ich sterben, als diesen Status aufzugeben. Manchmal hilft uns diese Einstellung sehr, auf dem Weg zu bleiben: Kommen Zeiten des Zweifels vergegenwärtige ich mir die Wartezeit von 10 Jahren, bis ich Mönch werden durfte. Habe ich ein wirklich großes Problem, denke ich mir: Willst du das Problem angehen oder davon weglaufen und dich entroben? Entroben würde bedeuteten, den Mönchsstatus aufzugeben. Den Status als Mönches aufzugeben würde den Vorsatz verletzen. Willst du wirklich lieber sterben als dieses momentane Problem anzugehen? Solche Gedanken halfen mir über manch groß wirkende Schwierigkeit hinweg. Es gab mir Kraft und Ausdauer. Die Bodhisatvagelübde im Mahayana-Buddhismus ermutigen uns also auch, weiterzumachen. Wir haben ja das Gelübde abgelegt, alle fühlenden Wesen zur Erleuchtung zu bringen.

Private Gelübde – nicht zu voreilig

Was aber für jeden persönlich hinzukommt, sind private Gelübde, die man für sich selbst machen kann, wie es einem in den Sinn kommt. Doch damit sollte man, besonders am Anfang, vorsichtig sein. Sonst nehmen wir uns zuviel auf einmal vor und sind rasch dabei, es zu bereuen. Als ich beispielsweise nach Indien ging, habe ich Leprakranke gesehen und gelobte, 500 Leben mit Leprakranken zu verbringen, um ihnen aus ihrem Leiden zu helfen. Doch kurz darauf kam der Gedanke auf: „Meine Güte, was hast du denn da gesagt, wie schrecklich! Wie soll ich jetzt nur praktizieren?“ Doch sofort begann meine Reflektionsmaschine zu arbeiten und ich sagte mir selbst: „Jetzt hast du ein Gelübde abgelegt und bereust es sofort. Das ist ja wohl noch dümmer, als voreilig ein Gelübde überhaupt aufzunehmen!“ Ihr seht, so sieht innere Praxis aus. Ständig wägt man die geistigen Zustände ab. Das macht mir persönlich richtig Spaß. Das gibt unserer Praxis erst die richtige Würze. Sonst wäre es ja sehr langweilig, wenn man nicht mehr mit dem Geist arbeiten würde. Arbeitet man nicht mit dem Geist, kommen zu viel Behagen, zu viel Freude und Genuss. Wir müssen uns immer wieder überprüfen.

„Wieso muss ich denn schon wieder diese Arbeit übernehmen? Ich mache das doch jedes Mal. „

Dann sieht man, dass man ärgerlich ist.

„Wieso bin ich ärgerlich? Wieso mache ich diese oder jene Arbeit? Um Verdienste zu sammeln.“

Und sofort meldet sich unser unzufriedener Geist erneut…

„Bist du doof oder was? Du lässt dich nur ausnutzen! Verdienste hin oder her…“

Dann prüfen wir erneut, wieder und wieder. Wir haben so viele Stimmen, die uns dies oder jenes sagen. Alle müssen wir reflektieren und überprüfen.

– Glaubst du nicht an Verdienste? – Dann glaubst du nicht an das Gesetz von Ursache und Wirkung. – Dann haben wir kein Vertrauen in den Weg. – Dann können wir die Erleuchtung nicht erlangen. – Dann sind wir verblendet, dann bleiben wir verblendet.

Was unsere Praxis erst richtig schmackhaft macht

Wir wenden die Lehre Buddhas, die Selbstreflexion und die Lehre von Ursache und Wirkung auf uns Selbst an. So sieht unsere Praxis aus. Unser Geist wird transformiert. Schauen wir nach 10 Jahren auf unsere Praxis zurück, erkennen wir große Fortschritte. Und eben diese Fortschritte sind es, die uns weiter den Ansporn geben zu praktizieren.
Sollten wir allerdings auf 10 Jahre Müdigkeit, Traurigkeit, Streit mit anderen Dharmabrüdern und Verschmähungen zurückblicken sollten wir uns fragen: Haben wir wirklich gut praktiziert? Wahrscheinlich haben wir dann keinen wirklichen geistigen Schritt nach vorne getan. Aber ist das ein Grund, die Haare wieder wachsen zu lassen, das Leben in seinen „vollen Zügen“ zu genießen? Sollte das unser Ende von 10 Jahren Praxis sein? Ich glaube nicht. Wir selbst müssen uns vielmehr selbst immer aufs Neue die Würze unserer Praxis geben. Niemand sonst wird sie uns geben. Eure Dharma-Brüder und –Schwestern werden euch höchstes Salz in eure Wunden streuen, wenn wir nicht achtsam sind. Aber wieder können wir dieses Salz benutzen, um uns unsere spirituelle Speise gut schmecken zu lassen. Ohne dieses oft schmerzhafte Salz, werden wir uns nie weiterentwickeln. Die größten Feinde des Buddhas legten ihm so viele Steine in den Weg. Aber er blieb voller Gleichmut. Wir sollten versuchen, es ebenso zu sehen. Nehmt euch für eure Praxis nicht zuviel auf einmal vor, sondern beginnt am Anfang mit der Silapraxis. Bekommen wir trotzdem einmal einen großen Stein in den Weg gelegt oder Salz in offene Wunden gestreut, so bedankt euch bei den Verursachern:

„Danke dafür, dass ich meinen Geist nun klarer sehen kann als zuvor!“

Quelle: http://www.phathue.de/buddhismus/praxis/ordiniertenpraxis/samanera-und-bhikkhu-praxis/

Kategorien: Dharma

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